Fanfarenzug Eisenach

Raymond Schlegel



Die Familie und der Fanfarenzug waren sein Leben

 

und in ihnen wird er weiterleben… !






Am 22.02.2003 ist unser Gründungs- und Ehrenmitglied Raymond Schlegel im Alter von 73 Jahren verstorben. Einen großen Teil seines Lebens hat er seiner großen Liebe, dem Fanfarenzug gewidmet. Bereits 1951 gründete Raymond Schlegel den Fanfarenzug im städtischen Kinderheim Süd in der Fritz-Kochstrasse. So wenige Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges herrschte in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone  noch Mangel an allen materiellen Dingen, das Einzige was es im Überfluss gab waren Träume, Phantasie und Enthusiasmus. Ausgestattet mit diesem Rüstzeug hat Raymond Schlegel gemeinsam mit 18 Kindern den ersten Fanfarenzug der Wartburgstadt gegründet. Dank seiner Zielstrebigkeit und seines Organisations-Talents hat der Fanfarenzug die Gründungsphase in dieser Zeit gut überstanden, war zu den damals üblichen Festen präsent und hat bald weitere Mitglieder dazubekommen.

1960 gründete Raymond Schlegel an der 4. Mittelschule, der späteren 9.Polytechnischen Oberschule(POS), an der er als Pionierleiter tätig war, einen weiteren Fanfarenzug. Nach einem Jahr mühevoller Kleinarbeit bekam er den Auftrag einen großen Fanfarenzug aufzubauen in dem die Mitglieder aus fünf Schulen zusammengefasst werden sollten. Auch diese Aufgabe konnte Raymond Schlegel meistern. 1961 hatte dieser Fanfarenzug seine erste Bewährungsprobe, 120 Mitglieder spielten unter seiner Leitung zum IV. Pioniertreffen in Erfurt. Leider konnte Raymond Schlegel diesen Fanfarenzug nicht erhalten, politische Reibereien um die Gründungszeit der Deutschen Demokratischen Republik(DDR) haben dies verhindert aber er hat sich das Ruder nicht aus der Hand nehmen lassen und mit den Mitgliedern an seiner Schule weitergearbeitet. Die finanziellen Probleme bekämpften die Mitglieder mit viel Eigeninitiative, es wurden Altstoffe gesammelt und private Sponsoren gesucht. Dank der Kämpfernatur von Raymond Schlegel ging der Fanfarenzug aber auch ganz unkonventionelle Wege zur Aufbesserung der Vereinskasse, so wurden zum Beispiel von den Mitgliedern Kaninchen und Hühner gezüchtet und der Erlös aus dem Verkauf zur Anschaffung von Instrumenten und Vereinskleidung verwandt. Durch den Anschluss der 11.POS und des FDGB-Fanfarenzuges AWE wurde im Jahre 1963 der Stadtfanfarenzug Eisenach gegründet.

1972 bekam Raymond Schlegel vom FDJ-Kreisverband den Auftrag einen Kreisfanfarenzug zu bilden. Auch diese Aufgabe meisterte er mit Bravour, in nur zwei Monaten bildete er den Fanfarenzug aus den Mitgliedern der 9. und der 11. POS sowie der POS-Förtha. Jetzt hatte jede dieser Schulen einen eigenen Fanfarenzug und zu größeren Veranstaltungen trat man gemeinsam als Kreisfanfarenzug auf. Da für eine solche Mitgliederzahl gar keine Instrumente verfügbar waren, suchte man auf  den Dachböden der Schulen und in den Hinterhöfen der Betriebe. Die dabei gefundenen, meist defekten Instrumente wurden von den Mitgliedern selbst in einen bespielbaren Zustand gebracht.

In der Folgezeit wurde der Fanfarenzug eingestuft, erhielt das Prädikat „Gut“ und war bei allen größeren Veranstaltungen präsent.


Die nächste große Bewährungsprobe bestand der Fanfarenzug in der Wendezeit. Mit der Abwicklung der DDR verschwand auch die FDJ, der Trägerverein des Fanfarenzuges. Offiziell gab es den Fanfarenzug einfach nicht mehr und wieder ist es Raymond Schlegel mit zu verdanken, das alle bürokratischen Hürden sehr schnell genommen waren und sich der Fanfarenzug in seiner heutigen Form als „Fanfarenzug der Wartburgstadt Eisenach e.V.“ wieder gründen konnte. In den ersten zwei Jahren nach der Neugründung fungierte Raymond Schlegel noch als stellvertretender Vereinsvorsitzender, als Vorsitzenden hatten die wenigen verbliebenen Mitglieder Mario Schröder gewählt, der den Fanfarenzug in einer guten Qualität und im Sinne von Raymond Schlegel bis zum heutigen Tag leitet. So existiert der Fanfarenzug auch heute noch als Naturfanfarenzug, die Mitgliederzahl hat sich stabilisiert und kann weiter ausgebaut werden.


Raymond Schlegel

zu seinem 70. Geburtstag




Raymond Schlegel musste nach zwei Jahren seinen Posten aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und wurde zum Ehrenmitglied. Er war auch weiterhin eng mit dem Fanfarenzug verbunden und unterstützte Mario Schröder mit seinem reichen Erfahrungsschatz.
Es wäre wohl vermessen zu behaupten, dass es ohne Raymond Schlegel keinen Fanfarenzug in Eisenach gegeben hätte aber das er über 52 Jahre existiert, diese Entwicklung genommen und allen politischen Hemmnissen getrotzt, ja sogar die „Wendewirren“ überstanden hat ist unbestritten Raymond Schlegels Verdienst und dafür danken wir ihm!
Rolf & Caro